Digiscopie - Fotografieren mit Spektiv und digitaler Kompaktkamera

 

Allgemeines

Wie alles anfing....

Die Idee der Digiscopie entstand, als ein Engländer den Versuch unternahm, eine Videokamera auf das Okular seines Spektivs zu setzen. Er war erstaunt über das Ergebnis der Aufnahmen. Es brauchte natürlich nicht lange, bis die ersten Digitalkameras dafür verwendet wurden.

 

Die Digiscopie hat gegenüber der herkömmlichen Fotografie mit Spiegelreflexkamera und den Wechselobjektiven einige Vor- und Nachteile, die hier Beispielhaft aufgezeigt werden. Wobei meine Beispiele von Fotograf zu Fotograf unterschiedlichen angesehen und bemessen werden.

Vorteil

Nachteil

 

 

riesige Brennweiten möglich, gut auch mit Zoom-Okular

große Naheinstellgrenze

großer Schärfentiefenbereich

relativ starres System (keine Wechselobjektive)

selbst bei großer Brennweite noch recht große Anfangsblende

durch die große Brennweite gibt es Probleme wenn Motive auf geringe Distanz zum Fotografen stehen

Gewicht relativ gering; wenn Spektiv zur Beobachtung eh dabei ist, braucht man nur noch eine kleine Kamera + Adapter

sehr Verwacklungsempfindlich, auch mit gutem Stativ werden Berührungen gnadenlos übertragen, vor allem bei starken Wind

 

 

welche Kamera???

Auf dem Markt gibt es ja nun unzählige Modelle der verschiedensten Hersteller. Bewährt haben sich Kameras mit einem kleinen Objektivdurchmesser. Nikons Coolpix-99x-Serie gehört zu den Kameras, die am meisten in der Digiscopie Verwendung finden. Das liegt unter anderem daran, dass die Kamera ein Objektivgewinde besitzen, an dem ein Adapter hervorragend aufgeschraubt werden kann. Darüber hinaus verfügt die Kamera über ein schwenkbares Objektiv/Monitor-Gehäuse. Beide Optionen haben sich als besonders wertvoll erwiesen. Hätte diese Kamera auch noch einen Drahtauslöseranschluß, wäre man wunschlos glücklich. Mittlerweile finden auch verschiedenste andere Kompaktkameras ihren Einsatz in der Digiscopie. Heute sehen die Digiscoper die Coolpix 8400 als das beste Modell an, auch weil diese Kamera in RAW-Format fotografieren kann. Die Coolpix 990 hat aber noch lange nicht ausgedient und wird immer noch gerne und häufig verwendet.

Neuerdings bieten einige Hersteller Digitalkameras an, die Speziell für die Digiscopie verwendet werden können. So z.B. von Zeiss das Kamera-Okular DC-4 und das Digital Eyepiece Camera (DEC) 5.0 von Minox, was erst kürzlich auf den Markt erschien ist. Viel hört man von diesen Dingern allerdings nicht, wohl weil sie sehr teuer sind und nicht die Ergebnisse erzielen die sie versprechen.

Die Entwicklung bei den Digitalkameras geht mit einer rasanten Geschwindigkeit von statten. Kaum ein Tag vergeht, ohne das ein neues Kameramodell auf den Markt kommt. Wer sich also eine Digitalkamera für die Digiscopie anschaffen möchte, muss viel recherchieren und (soweit möglich) die verschiedenen Modelle ausprobieren um das passende Gerät für sich zu finden.

So musste auch ich meine Erfahrungen mit guten und schlechten Kameras machen. Meine erste Kamera war ein Angebot von einem Discounter. Es handelte sich um die Hewlett Packard 215. Sie hatte lediglich eine maximale Auflösung von 1,3 Megapixel. Die Bilder waren durchweg von einer eher mäßigen bis schlechten Qualität. Außerdem besaß diese Kamera keinen Zoom. Vorteilhaft war jedoch, dass man diese Kamera ohne einen Adapter an das Okular halten konnte und dennoch gute Ergebnisse erzielte.

Doch dieser Vorteil wurde durch die schlechte Auflösungsqualität wieder zunichte gemacht. Besonders negativ aufgefallen ist das LCD-Display. Das Display hat so viel Energie benötigt, dass man nach nur wenigen Aufnahmen die Batterien wechseln musste.

 

Wesentlich bessere Ergebnisse konnte ich mit der Nikon Coolpix 995 erzielen. Diese Kamera mit einem 3,3 Megapixel CCD-Chip. Die Optik ist ebenfalls sehr gut und die Kamera liefert super Ergebnisse. Ein riesiger Vorteil dieser Kamera ist das schwenkbare Objektiv bzw. Displayteil. Der (nach heutigem Standard kleine) 1,8" LCD-Monitor liefert ein sauberes scharfes Bild, mit dem eine gute Bildkontrolle möglich ist. Die Bilder, die mit dieser Kamera durch das Spektiv gemacht werden, sind sehr brillant. Außerdem hat man die Möglichkeit die Aufnahmefunktionen manuell zu steuern. Fast alles kann man selber einstellen. Besonders zu erwähnen ist der Makromodus der Coolpix. Bei einem Mindestabstand von nur 2cm lassen sie super Bilder von Libellen etc. machen. Die 3,3 Megapixel sind in den meisten Fällen auch heute noch absolut ausreichend.

 

Das Vorgängermodell der Coolpix 995 ist die legendäre Coolpix 990. Ebenfalls mit einem schwenkbaren Objektiv und 3,3 Megapixel ausgestattet, liefert sie dennoch schärfere Bilder ab, als das Nachfolgermodell. In der Digiscopieszene ist es DIE Kamera schlechthin, auch heute noch. Ihr Erbe wurde bis heute von keiner anderen Kamera angetreten. Sie liefert scharfe und brillante Ergebnisse. Das Rauschverhalten war zu der Zeit unschlagbar. Der Monitor genauso gut wie bei der 995. Vorteilhaft ist, dass die Kamera mit handelsüblichen AA-Batterien bestückt wird. Was die 990 und die 995 gemeinsam haben, ist das Objektivgewinde, an dem sowohl Filter wie aber auch ein Adapter zum Spektiv angeschraubt werden können. Dieses Gewinde ist allerdings aus Kunststoff und muss sorgsam behandelt werden.

 
   

 

 

und wie kommt jetzt die Kamera auf das Okular???

Tja, es gibt einige Varianten, wobei die des Adapters die beste Lösung ist. Mittlerweile werden von einigen Spektivherstellern wie Swarovski, Leica und Zeiss auch Adapter angeboten. Auch verschiedene Firmen bieten eigens für die Digiscopie entwickelte Modelle an, die auch für Kameras ohne Objektivgewinde verwendet werden können. Wem diese zu teuer sind, empfehle ich einen Eigenbau.

Ich verwende neuerdings den DCA-Adapter von Swarovski. Dieser ist zwar recht teuer aber sehr gut in der Handhabung und Verarbeitung.

Wer aber ein sehr ruhiges Händchen hat, kann die Kamera auch "handheld" auf das Okular halten. Aber glauben sie mir, diese Fotos sind fast immer schlecht. (siehe auch Technik)